Laut einer aufsehenerregenden studie sind es vor allem zwei persönlichkeitsmerkmale, die darüber entscheiden, wie leicht wir die liebe finden: ein hohes maß an verträglichkeit und eine geringe emotionale labilität. Überraschenderweise spielen diese inneren eigenschaften oft eine größere rolle als gemeinhin angenommene faktoren wie das aussehen oder der soziale status. Doch wie genau beeinflussen diese züge unsere fähigkeit, eine tiefe verbindung einzugehen, und warum wirken sie sich bei männern und frauen unterschiedlich aus? Die wissenschaft liefert faszinierende einblicke in die mechanik der anziehung und die suche nach dem passenden partner.
Die wissenschaftliche formel der liebe: verträglichkeit und emotionale stabilität
Eine wegweisende studie von menelaos apostolou und elli michaelidou, die 1432 teilnehmende untersuchte, hat die komplexität der partnersuche entschlüsselt. Die in der fachzeitschrift *personality and individual differences* veröffentlichten ergebnisse zeigen, dass bestimmte charakterzüge entscheidend dafür sind, ob jemand ungewollt single bleibt oder eine erfüllende beziehung führt. Dieses starke gefühl namens liebe scheint also weniger dem zufall überlassen zu sein als gedacht.
Anna müller, 34, grafikdesignerin aus berlin, teilt ihre erfahrung: „ich hatte immer das gefühl, dass etwas mit mir nicht stimmt. Ich analysiere alles zu tode und mache mir ständig sorgen, was potenzielle partner abschreckt.“ Diese ständige angst und selbstkritik machten es ihr schwer, sich auf die suche nach dem seelenverwandten wirklich einzulassen, ein klassisches beispiel dafür, wie die persönlichkeit die liebe beeinflussen kann.
Was die persönlichkeit über ihr liebesleben verrät
Die forscher identifizierten 17 verschiedene faktoren, die das single-dasein vorhersagen könnten, darunter die „großen fünf“ der persönlichkeitspsychologie. Die ergebnisse waren erstaunlich klar: frauen mit einem hohen maß an verträglichkeit und gewissenhaftigkeit hatten eine deutlich höhere wahrscheinlichkeit, in einer festen partnerschaft oder verheiratet zu sein.
Diese eigenschaften fördern eine harmonische dynamik und signalisieren zuverlässigkeit – zwei grundpfeiler für eine dauerhafte zuneigung. Eine verträgliche person neigt dazu, kooperativ und einfühlsam zu sein, was das fundament für ein starkes band der zuneigung legt. Die liebe findet hier einen fruchtbaren boden.
Neurotizismus: die unsichtbare hürde für männer
Bei männern trat ein anderer faktor in den vordergrund: ein hoher grad an neurotizismus. Dieser begriff beschreibt die neigung einer person, negative emotionen wie angst, unsicherheit oder reizbarkeit zu erleben. Männer, die ungewollt single waren, wiesen oft einen hohen neurotizismuswert und ein geringes selbstwertgefühl auf.
Dieses persönlichkeitsmerkmal wirkt wie eine bremse bei der suche nach romantischer erfüllung. Allan roberts, ein klinischer psychologe, erklärt, dass sich diese männer oft unzulänglich fühlen und von der vorstellung eingeschüchtert sind, auf eine potenzielle partnerin zuzugehen. Diese innere unsicherheit sabotiert ihre bemühungen, eine emotionale harmonie zu finden, bevor sie überhaupt begonnen haben. Die liebe bleibt so oft unerreichbar.
Mehr als nur persönlichkeit: die verborgenen faktoren bei der partnersuche
Obwohl die persönlichkeit eine zentrale rolle spielt, ist sie nicht der alleinige architekt unseres liebeslebens. Die studie beleuchtet weitere entscheidende fähigkeiten und verhaltensweisen, die den weg zu einer glücklichen beziehung ebnen oder blockieren können. Das schönste gefühl der welt erfordert manchmal mehr als nur die richtige chemie.
Die fähigkeit zu flirten und interesse zu signalisieren, ist ein oft unterschätzter, aber fundamentaler baustein bei der anbahnung einer romanze. Ohne diese kompetenz fällt es schwer, den ersten funken überspringen zu lassen und die anfängliche anziehung in etwas tieferes zu verwandeln. Es ist der tanz, der der liebe vorausgeht.
Die kunst der verführung: eine unterschätzte fähigkeit
Sowohl für männer als auch für frauen war ein mangel an flirtkompetenz stark mit dem status des ungewollten singles verbunden. Allan roberts fasst zusammen: „wenig überraschend erhöht die fähigkeit zu verführen die chancen, einen partner zu finden.“ Diese fertigkeit ist mehr als nur oberflächliches geplänkel.
Es geht darum, auf spielerische weise interesse zu zeigen, eine verbindung herzustellen und eine atmosphäre des vertrauens zu schaffen. Wer diese kunst beherrscht, öffnet die türen für die liebe und signalisiert potenziellen partnern offenheit für eine tiefere bindung. Dieses talent ist ein katalysator für gefühle.
Selektivität bei frauen vs. anstrengung bei männern: zwei seiten derselben medaille
Die forschung zeigte auch geschlechtsspezifische unterschiede in den herangehensweisen, die den erfolg bei der partnersuche beeinflussen. Bei frauen war eine hohe selektivität – also hohe ansprüche an einen potenziellen partner – ein faktor, der zum single-dasein beitragen konnte.
Bei männern hingegen war der entscheidende faktor der „suchaufwand“. Der psychologe roberts erklärt dies so: „männer müssen mehr anstrengung unternehmen, um frauen von ihrem wert als partner zu überzeugen.“ Männer, die aktiv suchen und initiative zeigen, haben demnach eine höhere erfolgswahrscheinlichkeit, die liebe zu finden. Ihre proaktive haltung überwindet hürden und führt eher zu einer erfüllenden partnerschaft.
| Merkmal | Einfluss bei Frauen | Einfluss bei Männern |
|---|---|---|
| Hohe verträglichkeit | Stark positiv | Neutral |
| Hohe gewissenhaftigkeit | Positiv | Neutral |
| Hoher neurotizismus | Eher negativ (erhöhte selektivität) | Stark negativ (geringes selbstwertgefühl) |
| Geringe flirtkompetenz | Stark negativ | Stark negativ |
| Hohe ansprüche | Negativ | Nicht signifikant |
| Geringer suchaufwand | Nicht signifikant | Negativ |
Die moderne partnersuche, die oft durch apps und eine scheinbar unendliche auswahl geprägt ist, kann diese persönlichkeitsdynamiken noch verstärken. Jemand mit hohem neurotizismus könnte sich von der schnelllebigkeit des online-datings überfordert fühlen, während eine hochgradig gewissenhafte person möglicherweise schwierigkeiten hat, oberflächliche interaktionen in eine echte liebe zu verwandeln.
Es zeigt sich, dass die suche nach diesem tiefgreifenden gefühl nicht nur eine frage der gelegenheit ist, sondern stark von unserer inneren verfassung abhängt. Die bereitschaft, an sich selbst zu arbeiten und hinderliche verhaltensmuster zu erkennen, kann den weg für eine neue zuneigung ebnen. Manchmal ist der wichtigste schritt zur liebe die reise zu sich selbst.
Vom wissen zum handeln: wie sie ihre chancen auf liebe aktiv verbessern können
Die erkenntnisse der studie sind keine endgültige diagnose, sondern ein kompass. Wenn sie bei sich selbst tendenzen zu hohem neurotizismus feststellen, bedeutet das nicht, dass sie für immer von der liebe ausgeschlossen sind. Vielmehr bietet es einen ansatzpunkt für persönliches wachstum. Techniken zur stressbewältigung, achtsamkeitsübungen oder sogar eine therapie können helfen, emotionale reaktionen zu regulieren.
Ebenso kann an der verträglichkeit gearbeitet werden, indem man aktiv übt, die perspektive anderer einzunehmen und kompromissbereitschaft im alltag zu zeigen. Diese kleinen veränderungen können eine große wirkung auf die anziehungskraft haben, die sie auf andere ausüben, und den boden für eine dauerhafte romantische verbindung bereiten.
Die aktive suche nach einem partner, wie sie für männer als erfolgsfaktor identifiziert wurde, bedeutet nicht, verzweifelt zu wirken. Es geht vielmehr darum, gelegenheiten zu schaffen: neue hobbys auszuprobieren, sozialen veranstaltungen beizutreten und offen für begegnungen zu sein. Dieser proaktive ansatz erhöht die wahrscheinlichkeit, die person zu treffen, mit der sich dieses besondere gefühl, die liebe, entfalten kann. Letztendlich ist die liebe selten etwas, das passiv geschieht; sie ist oft das ergebnis bewusster anstrengung und emotionaler offenheit.
Spielt das aussehen bei der partnersuche überhaupt keine rolle mehr?
Obwohl die studie die wahrgenommene schönheit als einen von 17 faktoren berücksichtigt, zeigten persönlichkeitsmerkmale wie verträglichkeit und ein geringer neurotizismus einen stärkeren vorhersagewert für den beziehungsstatus. Das aussehen kann eine rolle beim ersten kennenlernen spielen, aber die persönlichkeit entscheidet oft über das potenzial für eine langfristige liebe.
Kann man an diesen persönlichkeitsmerkmalen aktiv arbeiten?
Persönlichkeitsmerkmale gelten als relativ stabil, sind aber nicht in stein gemeißelt. Durch selbstreflexion, therapie oder coaching können verhaltensweisen, die mit hohem neurotizismus oder geringer verträglichkeit verbunden sind, erkannt und modifiziert werden, um die eigene beziehungsfähigkeit nachhaltig zu verbessern.
Was genau bedeutet ‚verträglichkeit‘ in diesem kontext?
Verträglichkeit beschreibt, wie kooperativ, warmherzig und rücksichtsvoll eine person im umgang mit anderen ist. Menschen mit einer hohen ausprägung dieses merkmals neigen zu prosozialem verhalten und sind oft kompromissbereiter, was eine grundlegende voraussetzung für eine harmonische und dauerhafte partnerschaft ist.
Ist die partnersuche für männer und frauen wirklich so unterschiedlich?
Die studie legt nahe, dass die zentralen hürden und erfolgsfaktoren unterschiedlich sein können. Während bei frauen eine hohe selektivität eine herausforderung sein kann, ist es bei männern oft der mangel an initiative und ein hoher neurotizismus. Die grundlegenden voraussetzungen für die liebe, wie emotionale verbindung und vertrauen, bleiben jedoch für alle gleich.








