Viele der im winter erhältlichen obst- und gemüsesorten sind weit weniger nahrhaft, als man annehmen würde. Überraschenderweise kann sogar ein regionaler apfel manchmal eine schlechtere klimabilanz aufweisen als ein importierter. Doch warum ist das so und welche beliebten sommerfrüchte, allen voran die erdbeeren, sollte man jetzt erst recht meiden? Dieser artikel enthüllt, welche lebensmittel sie in der kalten jahreszeit besser im regal stehen lassen sollten, um umwelt, geldbeutel und geschmacksknospen zu schonen.
Warum saisonaler einkauf im winter entscheidend ist
Wer sich im winter bewusst ernährt, stärkt sein immunsystem. Doch der griff zu vermeintlich gesunden lebensmitteln kann täuschen. Produkte, die außerhalb ihrer saison angebaut werden, benötigen lange transportwege oder energieintensive gewächshäuser, was ihre ökobilanz drastisch verschlechtert und oft auch den nährstoffgehalt reduziert. Saisonale und regionale produkte sind daher fast immer die bessere wahl.
Anna Meier, 34, grafikdesignerin aus Hamburg, erinnert sich gut: „Ich habe letztes jahr im januar erdbeeren für einen kuchen gekauft und war so enttäuscht. Sie waren wässrig, hatten kaum geschmack und waren unglaublich teuer.“ Diese erfahrung öffnete ihr die augen für den wert von saisonalem obst.
Die entscheidung für saisonware schont nicht nur böden und grundwasser, insbesondere bei bio-produkten, sondern garantiert auch ein intensiveres geschmackserlebnis. Die natur hat einen rhythmus, und unsere ernährung profitiert davon, wenn wir ihn respektieren.
Der mythos der ganzjährigen verfügbarkeit
Supermärkte suggerieren uns eine welt ohne jahreszeiten. Im januar liegen die süßen sommerboten neben den winterlichen zitrusfrüchten. Diese ständige verfügbarkeit hat jedoch einen hohen preis in form von treibhausgasemissionen und energieverbrauch. Eine importierte frucht verbraucht ein vielfaches der ressourcen einer lokalen alternative.
Besonders die heizung und beleuchtung von gewächshäusern im winter sind enorme energiefresser. Diese künstlichen bedingungen führen oft dazu, dass das obst und gemüse weniger vitamine und sekundäre pflanzenstoffe enthält als ihre im freiland gereiften verwandten.
Die erdbeere: Königin des sommers, fehl am platz im winter
Nichts verkörpert den sommer so sehr wie eine schale frischer erdbeeren. Doch ihr anblick im winterregal sollte alarmglocken läuten lassen. Diese früchte haben eine weite und problematische reise hinter sich, bevor sie bei uns landen.
Die meisten dieser roten früchte stammen aus ländern wie spanien, israel oder sogar kalifornien. Dort werden sie oft unter bedingungen angebaut, die kritisch zu hinterfragen sind. Der massive einsatz von pestiziden ist ebenso ein problem wie der immense wasserverbrauch in ohnehin schon trockenen regionen.
Die versteckten kosten der importierten beeren
Hinter den verlockenden roten juwelen verbergen sich oft ausbeuterische arbeitsbedingungen auf den plantagen. Arbeiter werden schlecht bezahlt und sind den eingesetzten chemikalien schutzlos ausgesetzt. Jede schale importierter erdbeeren im winter unterstützt indirekt dieses system.
Selbst wenn „deutschland“ auf der verpackung steht, ist vorsicht geboten. Diese beeren reifen in beheizten und künstlich beleuchteten gewächshäusern. Der stromverbrauch ist enorm und macht diese kleinen roten verführungen zu echten klimakillern. Der geschmack kann mit dem von sonnengereiften sommer-erdbeeren ohnehin nicht mithalten.
Bessere alternativen für beerenliebhaber
Wer im winter nicht auf den geschmack von beerenobst verzichten möchte, hat eine hervorragende alternative: tiefkühlware. Bio-beeren werden zum höhepunkt ihrer reife im sommer geerntet und sofort schockgefrostet. Dadurch bleiben nährstoffe und aroma bestens erhalten. Sie eignen sich perfekt für smoothies, müsli oder zum backen.
Ansonsten gilt es, die vorfreude auf die heimische erdbeer-saison zu genießen. Die wartezeit lässt sich wunderbar mit saisonalen zitrusfrüchten wie orangen oder mandarinen versüßen, die im winter aus dem europäischen ausland kommen.
Tomaten und gurken: Ein wässriges vergnügen
Tomaten und gurken gehören für viele zum täglichen salat, doch im winter ist davon abzuraten. Die in deutschland erhältlichen exemplare stammen fast ausschließlich aus beheizten gewächshäusern in den niederlanden, spanien oder frankreich. Der hohe energieaufwand schlägt sich nicht nur im preis, sondern auch im geschmack nieder: Sie sind oft wässrig und arm an aroma.
Zudem enthalten diese gewächshaus-produkte weniger gesunde nährstoffe als ihre sonnengereiften sommerpendants. Die langen transportwege tragen zusätzlich zur schlechten klimabilanz bei.
Clevere alternativen für die winterküche
Für pastasaucen, pizza oder suppen sind passierte oder gehackte bio-tomaten aus dem glas oder der dose die deutlich bessere wahl. Sie werden im sommer reif geerntet und konserviert, was ihnen einen intensiven geschmack und einen hohen nährstoffgehalt verleiht. Achten sie jedoch auf die herkunft, denn viele dosentomaten stammen aus china und haben extrem weite transportwege hinter sich.
Weitere übeltäter im gemüseregal
Nicht nur bei den klassischen sommerlieblingen lohnt sich ein genauerer blick. Auch anderes gemüse, das wir ganzjährig gewohnt sind, sollte im winter gemieden werden.
Zucchini: Ein kürbis zur falschen zeit
Obwohl die zucchini ein kürbisgewächs ist, hat sie ihre saison bei uns von juni bis oktober. Im winter sollte man stattdessen auf echte lagerfähige kürbissorten wie hokkaido oder butternut zurückgreifen. Diese stammen aus heimischem anbau und sind bis ins frühjahr hinein verfügbar.
Salate aus dem treibhaus
Kopfsalat, batavia oder eisbergsalat kommen in den kalten monaten aus dem beheizten gewächshaus. Sie sind nicht nur weniger knackig und geschmackvoll, sondern enthalten auch weniger wertvolle inhaltsstoffe. Greifen sie stattdessen zu typischen wintersalaten wie feldsalat, chicorée oder endiviensalat, die im freilandanbau Saison haben.
| Lebensmittel im Winter meiden | Saisonale Winter-Alternativen |
|---|---|
| Frische Erdbeeren | Tiefgekühlte Beeren, Orangen, Mandarinen |
| Tomaten & Gurken | Passierte Tomaten (Glas), Wurzelgemüse (Karotten, Pastinaken) |
| Zucchini | Lagerkürbisse (Hokkaido, Butternut) |
| Kopfsalat & Eisbergsalat | Feldsalat, Chicorée, Endiviensalat, Grünkohl |
| Import-Walnüsse (z.B. aus USA) | Heimische Walnüsse & Haselnüsse |
Äpfel und nüsse: Ein genauer blick lohnt sich
Selbst bei vermeintlich unproblematischen lebensmitteln wie äpfeln gibt es im winter einiges zu beachten. Die frage, ob ein importapfel aus neuseeland oder ein heimischer apfel aus dem kühllager ökologischer ist, ist ein bekanntes dilemma.
Das apfel-paradoxon
Bis etwa mitte dezember sind frische bio-äpfel aus regionalem anbau, die ohne hohen energieaufwand gelagert wurden, die beste wahl. Sorten wie jonagold oder elstar sind dann optimal. Gegen ende des winters kehrt sich das bild jedoch um. Ein lange und energieintensiv im kühlhaus gelagerter deutscher apfel kann eine schlechtere klimabilanz haben als ein frischer apfel, der per schiff aus der südlichen hemisphäre importiert wurde.
Nüsse: Regional statt global
Die meisten nüsse im supermarkt kommen von weit her. Erdnüsse aus den usa, mandeln aus kalifornien oder cashews aus indien. Dabei gibt es hervorragende heimische alternativen. Walnüsse und haselnüsse wachsen in deutschland und können ohne großen energieaufwand gelagert werden. Halten sie auf wochenmärkten und in bio-läden ausschau nach deutscher ware.
Sind tiefkühlbeeren im winter eine gute alternative zu frischen?
Ja, absolut. Tiefkühlbeeren, besonders in bio-qualität, werden zum optimalen reifezeitpunkt geerntet und direkt schockgefrostet. Dadurch bleiben die meisten nährstoffe und der volle geschmack erhalten, was sie zu einer ausgezeichneten und nachhaltigen alternative für die wintermonate macht.
Warum kann ein deutscher apfel im frühling eine schlechtere klimabilanz haben als ein importierter?
Das liegt an der energieintensiven lagerung. Ein deutscher apfel, der seit dem herbst in einem kühlhaus gelagert wurde, verbraucht kontinuierlich strom. Ein frischer apfel aus neuseeland, der per schiff transportiert wird, kann dann trotz des weiten weges eine bessere gesamtbilanz aufweisen.
Welche salate haben im winter tatsächlich saison in deutschland?
Im winter sind robuste salatsorten ideal, die kälte vertragen. Dazu gehören vor allem feldsalat, chicorée, endiviensalat und winterportulak. Sie werden regional angebaut und kommen frisch und nährstoffreich in den handel.
Sind bio-zitrusfrüchte im winter empfehlenswert?
Ja. Obwohl orangen und mandarinen nicht regional sind, haben sie im winter in südeuropäischen ländern saison. Der transportweg ist kürzer als bei übersee-importen im sommer. Die wahl von bio-qualität ist hier besonders wichtig, da konventionelle zitrusfrüchte oft stark mit pestiziden belastet sind, die sich in der schale anreichern.








