Bloß nicht wieder ein „Heizhammer“: Was bisher über das neue Heizungsgesetz ab 2026 bekannt ist

Das vieldiskutierte „heizungsgesetz“ wird abgeschafft und bekommt einen neuen namen, doch experten erwarten überraschend wenige inhaltliche änderungen. Diese scheinbare widersprüchlichkeit wirft die frage auf, was wirklich hinter der politischen kehrtwende steckt und welche konkreten auswirkungen dies auf jede einzelne gebäudeheizung in deutschland haben wird. Die angst vor einem neuen „heizhammer“ ist groß, doch die weichen für die zukunft der wärmeversorgung und die damit verbundenen heizkosten werden gerade jetzt neu gestellt.

Vom „heizhammer“ zum „gebäudemodernisierungsgesetz“: die hintergründe

Die aufregung um die änderung des gebäudeenergiegesetzes (geg) im jahr 2024 war ein politisches beben, das den absatz von wärmepumpen und damit die gesamte wärmewende bremste. Die debatte, oft unsachlich geführt, schürte ängste vor einer austauschpflicht und sozialen härten. Diese verunsicherung wirkt bis heute nach und lähmt investitionsentscheidungen bei der modernisierung der eigenen gebäudeheizung.

Jasper Honig, wärmepumpenhersteller von Aira, bringt die sorge der branche auf den punkt: „es wäre fatal, wenn wir jetzt erneut ein marktchaos bekommen.“ diese forderung nach klarheit und planbarkeit ist der rote faden, der sich durch die aktuelle diskussion um das herz des hauses zieht. Verbraucher und unternehmen brauchen verlässliche rahmenbedingungen, um die wärmequelle ihres heims zukunftssicher zu gestalten.

Die neue bundesregierung hat im koalitionsvertrag versprochen, das oft als „heizungsgesetz“ bezeichnete geg abzuschaffen. Dieser schritt ist vor allem symbolischer natur, eine reaktion auf den öffentlichen unmut. Doch was an seine stelle tritt, wird innerhalb der koalition noch immer hitzig debattiert, was die unsicherheit weiter nährt.

Ein neuer name für ein bekanntes konzept

Bundeskanzler friedrich merz (cdu) verkündete, dass das sogenannte heizungsgesetz künftig „gebäudemodernisierungsgesetz“ heißen wird. Ziel sei es, die vorschriften „technologieoffener, flexibler und einfacher“ zu gestalten. Doch hinter den kulissen bleibt der kern der anforderungen an eine moderne heizungsanlage voraussichtlich bestehen.

Experten wie prof. manfred fischedick vom wuppertal institut für klima, umwelt, energie erwarten nur „ganz, ganz wenige änderungen“. Der grund dafür ist einfach: deutschland ist an europäische rahmenbedingungen und klimaschutzziele gebunden, die wenig spielraum für eine komplette kehrtwende bei der gebäudeheizung lassen.

Die unsichtbaren zwänge: eu-ziele und steigende co2-preise

Unabhängig vom namen des gesetzes wird es ohne moderne heizsysteme, allen voran wärmepumpen, nicht gehen. Die bundesregierung weiß, dass hohe strafzahlungen drohen, wenn die auf eu-ebene vereinbarten klimaziele für den gebäudesektor verfehlt werden. Jede heizungsanlage ist somit ein kleiner, aber entscheidender baustein im großen klimapuzzle.

Die bisherige regelung, dass jede neu eingebaute gebäudeheizung zu mindestens 65 prozent mit erneuerbaren energien betrieben werden muss, dürfte daher im grundsatz erhalten bleiben. Umweltschutzverbände wie der bund oder der wwf fordern genau das, um deutschland auf klimakurs zu halten und den wärmespender im keller ökologisch auszurichten.

Die drohende „fossile kostenfalle“ für verbraucher

Ein weiterer, oft unterschätzter faktor ist der stetig steigende co2-preis. Das heizen mit öl und gas wird unweigerlich teurer und macht den unsichtbaren motor des komforts zur kostenfalle. Wer heute noch in eine neue gas-heizung investiert, riskiert explodierende betriebskosten in naher zukunft.

Das leibniz-zentrum für europäische wirtschaftsforschung (zew) hat berechnet, dass ein vier-personen-haushalt mit gasheizung ab 2028 mit rund 1.000 euro höheren heizkosten pro jahr rechnen muss. Der verbraucherzentrale bundesverband warnt daher eindringlich davor, fehlanreize zu schaffen, die bürger in veraltete technologien für ihre gebäudeheizung locken.

HeizsystemHeutige jährliche heizkosten (geschätzt)Zukünftige jährliche heizkosten ab 2028 (prognose)
Gasheizung (altbestand)2.200 €ca. 3.200 €
Ölheizung (altbestand)2.500 €ca. 3.600 €
Wärmepumpe (neuanlage)1.500 €ca. 1.600 € (stabil)

Was die reform für ihre gebäudeheizung wirklich bedeutet

Die politische debatte über die thermische seele des zuhauses hat viele verunsichert. Doch die richtung ist klar: die zukunft gehört den erneuerbaren energien. Auch wenn gasheizungen, die auf wasserstoff umgerüstet werden können, erlaubt bleiben, ist dies eine wette auf eine zukunftstechnologie, deren verfügbarkeit und kosten noch ungewiss sind.

Die umbenennung des gesetzes ist ein politisches manöver, um ein wahlversprechen einzulösen. Inhaltlich wird sich am druck zur modernisierung der heizungsanlage wenig ändern. Die eigentliche herausforderung besteht darin, diesen wandel sozial gerecht zu gestalten und die bürger nicht mit den kosten für eine neue heizung allein zu lassen.

Planbarkeit als schlüssel zum erfolg der wärmewende

Für hausbesitzer ist jetzt vor allem eines wichtig: eine klare und langfristig verlässliche förderkulisse. Die details zur künftigen förderung klimafreundlicher heizungen stehen noch aus, aber sie werden entscheidend dafür sein, ob die wärmewende gelingt. Der garant für gemütlichkeit im winter darf nicht zum luxusgut werden.

Letztendlich ist entscheidend, dass es inhaltlich keine rückschritte gibt. Die modernisierung der gebäudeheizung ist keine option, sondern eine notwendigkeit – für den klimaschutz und für den eigenen geldbeutel. Die unsicherheit muss ein ende haben, damit millionen haushalte die richtige entscheidung für ihre persönliche wärmequelle treffen können.

Muss ich meine funktionierende heizung 2026 austauschen?

Nein, es besteht keine austauschpflicht für funktionierende heizungen. Die gesetzlichen vorgaben, wie die 65-prozent-regel für erneuerbare energien, gelten in der regel nur beim einbau einer neuen heizungsanlage, beispielsweise wenn die alte defekt ist und ersetzt werden muss.

Was bedeutet die 65-prozent-regel für erneuerbare energien konkret?

Diese regel besagt, dass jede neu installierte gebäudeheizung mindestens zu 65 prozent ihre wärme aus erneuerbaren quellen beziehen muss. In der praxis wird dies am häufigsten durch den einbau einer wärmepumpe, den anschluss an ein wärmenetz oder durch solarthermieanlagen erreicht.

Wird heizen mit gas und öl jetzt komplett verboten?

Nein, ein direktes verbot gibt es nicht. Allerdings wird das heizen mit fossilen brennstoffen durch den stetig ansteigenden co2-preis immer teurer. Experten warnen vor einer „fossilen kostenfalle“, da die betriebskosten in den kommenden jahren drastisch ansteigen werden.

Was ist der wichtigste unterschied zwischen dem alten ‚heizungsgesetz‘ und dem neuen ‚gebäudemodernisierungsgesetz‘?

Der größte unterschied ist vorerst der name. Obwohl die neue regierung verspricht, das gesetz ‚einfacher und flexibler‘ zu machen, gehen experten davon aus, dass die kernanforderungen, insbesondere die 65-prozent-regel, aufgrund von eu-vorgaben und klimazielen weitgehend bestehen bleiben werden.

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